Oliver Gabriel WEDEL Eigentlich ging es um Wohnungsbau in beachtlichem Maß. Eigentlich. Was aber die Anmerkungen der Fraktionen zu dem Projekt auf dem ehemaligen Jet-Tankstellengelände an der B 431 direkt neben der Famila-Zufahrt vor allem bestimmte, war ein anderes Thema: die Kita.

60 Plätze soll die Einrichtung haben, die Bauherr Bonava, Bau- und Immobilienunternehmen mit Deutschlandsitz in Fürstenwalde, im Zuge der Bebauung des 6000-Quadratmeter-Areals realisieren will. Respektive realisieren soll, wie gleich mehrere Parteien Dienstagabend im Planungsausschuss betonten. Dies nicht aus irgendwie begründetem Misstrauen gegenüber diesem Projektentwickler, sondern „aus schlechter Erfahrung“, wie Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke noch einmal in Erinnerung rief.

Manfred Eichhorn (SPD) präzisierte: Man wolle an der B 431 nicht das gleiche erleben wie beim Nachverdichtungsvorhaben im Quartier Tinsdaler Weg / Galgenberg / Am Rain. Dort hatte Investor Wertgrund zunächst eine Mini-Kita mit 25 Plätzen in Aussicht gestellt, Wedel am Ende jedoch eine Absage erteilt (unsere Zeitung berichtete). Wie die Grünen forderte daher die SPD, den Kitabau beim Jet-Projekt vertraglich abzusichern. „Wir wollen das bombenfest“, so Eichhorn.

Martin Schumacher, planungspolitischer Sprecher der FDP, warnte zudem davor, den bereits aufkeimenden Diskussionen in sozialen Medien um eine Infrastrukturkostenabgabe in sechstelliger Höhe, auf die Wedel angeblich verzichte, keine Nahrung zu geben.

Durchführungsvertrag als Absicherung Zu eben jener Infrastrukturkostenabgabe werde seine Partei anlässlich des Jet-Projekts Anträge stellen, kündigte Linke-Ratsherr Patrick Eichberger an. Stadtplaner Karl-Heinz Grass versuchte zu beruhigen: Der Kita-Bau sei hier festgeschrieben und werde Bestandteil des Durchführungsvertrags mit dem Bauherrn sein. „Dann wäre es gut, auch gleich Sanktionsmöglchkeiten wie eine Konventionalstrafe einzubauen“, so Wuttke.

René Penz (WSI) trieb neben dem Kita-Bau auch eine andere Frage um. Selten gebe es eine Gelegenheit, innerstädtisch Wohnraum zu so hervorragenden Bedingungen zu schaffen wie bei dem Jet-Prokjekt. „Was haben wir politisch eigentlich dadurch gewonnen, dass wir seit eineinhalb Jahren hier immer wieder die Investoren antanzen lassen, wo doch Wohnraum so dringend gebraucht wird in Wedel?“, fragte Penz. Sein Urteil: „Das ist Politik am Bürger vorbei.“ Er hoffe, dass bis zur Bezugsfertigkeit nicht so viel Zeit vertrödelt werde wie bisher bei der Vorplanung, so Penz.

Am Projekt selbst kritisierten die Grünen zudem die gleichförmige Höhe der Gebäude sowie zu wenig freie Fläche im Innenbereich und eine zu geringe Erdüberdeckung der Tiefgarage, die nur wenig Möglichkeiten bei einer Begrünung biete. Dennoch stimmten auch sie dem B-Plan-Entwurfsbeschluss inklusive Öffentlichkeitsbeteiligung für das 123-Wohneinheiten-Vorhaben zu, so dass das Votum einstimmig ausfiel.

Quelle Wedel Schulauer Tageblatt 13.08.2020

Kommentar René Penz, Planungspolitischer Sprecher der WSI-Fraktion

Bereits im April 2018 hat sich der Planungsausschuss das erste Mal die Pläne für das schon damals lange brach liegenden ehemaligen Jet-Tankstellen-Gelände vorstellen lassen. Es folgten Monate der fortwährenden Nachbesserungen. Ob es Dieb Anordnung der Baukörper, die Höhe, die Fassadengestaltung, die grundsätzliche Größe waren. Die Investoren wurden ein ums andere Mal in neue Entwurfsphasen geschickt. Das jetzt verabschiedete Stadium unterscheidet sich nun aber gar nicht so sehr von den ursprünglichen Plänen. Es stellt sich also in der Tat die Frage, ob die Mitglieder des Planungsausschusses mit etwas mehr Entschlossenheit schon ein Jahr früher das Vorhaben auf den Weg hätten bringen können.

Am Ende muss man einfach feststellen: innerstädtische Verdichtung führt zu massiveren Bauten. Das muss nicht jedem gefallen – aber auf diese Weise bietet man Menschen Wohnraum in vorhandener Infrastrutur an. Es müssen keine zusätzlichen Straßen gebaut werden. Vorhandene Einkaufsangebote werden besser ausgelastet. Und: man kann dort zentral gelegen wohnen und auf ein eigenes Auto verzichten. In Zeiten von Klimawandel und ständigen Staus ein echter Mehrwert. Wir Politiker sollten diesen Weg konsequent gehen und unsere eigenen Eitelkeiten zurückstellen.

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