QUELLE: Wedel Schulauer Tageblatt, 23.10.2020

Gebrüder-Humboldt-Schule: Bildungsausschuss beschließt Raumprogramm für den Ersatzbau des maroden 68er-Flügels

Inge Jacobshagen WEDEL Nicht nur für die Gebrüder-Humboldt-Schule (GHS), auch für Wedels Bildungspolitiker war es Mittwochabend eine besondere Sitzung: Ohne Gegenstimme votierte der Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport für ein umfassendes, mit Schule und Verwaltung bedarfsgerecht abgestimmtes Raumprogramm eines Neubaus, der den maroden 68er Flügel auf dem Schulareal ersetzen soll. Wenn weiterhin alles gut läuft, könnten Schüler und Lehrer Anfang 2023 in den neuen Gebäudetrakt entlang des Mühlenwegs einziehen, wagte Sonja Mußmann vom städtischen Gebäudemanagement die Prognose.

1452 Quadratmeter (qm) Fläche umfasst das Raumkonzept, aufgeteilt auf Untergeschoss (314 qm), Erdgeschoss (318 qm), Obergeschoss (319 qm) und Dachgeschoss (183 qm). Der Schule würden acht Gruppenräume, sechs Klassenzimmer, drei Besprechungs- sowie zwei Büroräume, drei Freizeit- beziehungsweise offene Räume sowie diverse Schülerarbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden. „Wir befinden uns immer noch in einer Vorentwurfsphase“, hatte die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage über den Planungsstand eingeräumt. Änderungen in Raumgröße und Zuordnung seien noch möglich, vielleicht sogar nötig. Die Brandschutzprüfung stehe noch aus. Zudem müssten Flächen für die Gerätetechnik noch genauer definiert werden. Möglicherweise müssten die Schülerarbeitsplätze im Dachgeschoss diesem Bedarf weichen.

Dennoch, die Fraktionen waren begeistert. Das sei heute ein großer Tag, eine Sternstunde, sie seien glücklich und zufrieden, äußerten die Bildungspolitiker unisono. „Wir kommen damit zum eigentlichen Kerngeschäft eines Bildungsausschusses“, sagte Linken-Fraktionschef Detlef Murphy hocherfreut und bedankte sich ausdrücklich bei der Verwaltung für die in enger Abstimmung mit der GHS vorangetriebene Raumbedarfsplanung.

Barrierefreie Toiletten im Keller? Dennoch gab es von Seiten der Politik auch Verbesserungsvorschläge. Ob man nicht die barrierefreien Toiletten aus dem Keller ins Erdgeschoss holen könne, fragte Ausschusschef Lothar Barop (SPD). Sie seien ins Untergeschoss gewandert, um die Vielzahl der anderen Nutzungen realisieren zu können, erklärte Mußmann die Zwänge des Gebäudemanagements. Dennoch: „Wir nehmen das gerne auf.“

Heidi Garling (CDU) blickte in die Zukunft. „Wie flexibel sind wir, wenn wir den Unterricht mit fortschreitender Digitalisierung anders organisieren müssen?“, fragte sie. Könnten dann Räume für zum Beispiel größere Gruppen kombiniert werden? Dafür gab Mußmann grünes Licht. Das Gebäudemanagement strebe einen Skelettbau an, erklärte sie. Innere Wände seien so leichter zu verschieben. Grünen-Frau Petra Kärgel nahm die Energieeffizienz des neuen Gebäudes in den Fokus. „Das kostet Raum, das schneidet in mein Herz“, bekannte sie. Doch: Wedel habe den Klimanotstand ausgerufen. Fläche für Gebäudetechnik sei wichtig.

Noch seien nicht alle Fachplaner an Bord, erläuterte Mußmann auf Nachfrage unserer Zeitung zu den weiteren Zeitplanungen. Das werde wohl im ersten Quartal 2021 der Fall sein. Dann werde die Entwurfsphase weitergetrieben und danach das Bauantragsverfahren eingeleitet. „Wir müssen auch die Planungsleistungen europaweit ausschreiben“, erklärte Mußmann. Schon im Ausschuss kündigte sie den ersten Spatenstich für möglicherweise Ende nächsten Jahres an. Darauf folge „plus-minus ein Jahr Bauzeit“. Mit dem Neubezug rechnet die Fachfrau, wenn alles gut geht, dann Anfang 2023

Kosten noch nicht zu beziffern Mit großer Zustimmung wurde das Raumprogramm verabschiedet. Einzig Detlef Albrecht von der WSI enthielt sich der Stimme. Er war früh vorgeprescht und hatte das Fehlen von Kostenprognosen kritisiert. „Das ist mir zu schwammig. Das kann alles noch teurer werden. Mir fehlen die Einzelheiten. Ich weiß nicht, was ich da beschließen soll. Wir können dem nicht zustimmen“, hatte er für seine Fraktion klargestellt. Die Verwaltung habe die Kostenprognosen im letzten Moment wieder aus der Vorlage herausgenommen, weil sie zu früh eingestellt worden waren, erklärte Mußmann. „Mit der Weiterentwicklung des energetischen Standards verändern sich die Kosten nochmal“, erklärte sie. Beim heutigen Raumprogramm gehe es jetzt erst einmal darum, wie viele Räume die Schule benötigt. Zu einem Ja mochte sich Albrecht trotz nachgeliefertem Lob jedoch nicht durchringen.

Mit großer Zufriedenheit nahm Schulleiter Frank Wolff das Votum entgegen. „Wir sind wunderbar in die sorgfältigen Planungen miteinbezogen worden“, lobte er. Und fügte an: „Mit dem Konzept können wir tun, wofür wir uns berufen fühlen.“ Es sei aus der pädagogischen Arbeit der GHS erwachsen. Der neue Anbau biete Platz für Inklusion, Heterogenität, für Differenzierung, für die spezifischen Bedürfnisse der Oase und für die Schulsozialarbeit.

KOMMENTAR: FEHLENDE VERANTWORTUNGS-BEREITSCHAFT FÜR WEDELS FINANZEN?

Detlef Albrecht, WSI
Detlef Albrecht, WSI-Sprecher im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport

Es ist schon interessant, wie die anderen Fraktionen mit der aktuellen finanziellen Lage der Stadt umgehen. Obwohl für ein sicherlich gutes und durchdachtes Raumprogramm für den Anbau der GHS keinerlei Kosten vorgelegt wurden, haben alle anderen Fraktionen dem Entwurf zugestimmt. Auch wenn im Bildung-, Kultur- und Sport-Ausschuss hauptsächlich über das Konzept und nicht über die Kosten entschieden wird, sollten bei einer gesamtheitlichen Betrachtung auch die finanziellen Dimensionen berücksichtigt werden. Mit dieser Einschätzung scheint die WSI leider alleine zu sein. Alle anderen Fraktionen ignorierten die fehlenden Kosten, da diese nicht den BKS- Ausschuss betreffen sondern schieben das Problem in den Umwelt-, Bau- und Feuerwehr-Ausschuss. Durch die Stimmenenthaltung bei der Abstimmung möchten wir signalisieren, dass wir mit dem Raumprogramm zufrieden sind, die Kosten dafür aber unbedingt benötigen.

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