Wedel: Hohe Kosten und die Frage nach dem Nutzen / Kritik für Vorschlag von FDP und WSI

von Inge Jacobshagen, Wedel Schulauer Tageblatt 12.03.2021

Die Infektionszahlen steigen wieder und die Schnelltest-Strategien, die die nahen Schulöffnungen begleiten sollen, stecken im Kompetenz- und Organisationschaos fest. „Wir müssen loslegen, wir müssen endlich mit etwas anfangen“, sagte Nina Schilling (FDP) im Wedeler Bildungsausschuss, der Mittwochabend im Ratssaal zu einer Drei-Stunden-Sitzung zusammenkam, eindringlich. Seit November versucht die Liberale, das Thema Luftfilteranlagen für die weiterführenden Schulen anzuschieben. Wedels Rotarier hatten den Wedeler Grundschulen Ende vergangenen Jahres rund 70 Luftwäscher gespendet. Schilling möchte, dass jetzt auch für ältere Schüler Aerosole aus den Klassenräumen gefiltert werden.
Mobile und kostengünstige Filteranlagen für Wedels weiterführende Schulen forderten deswegen FDP und WSI in einem gemeinsamen Antrag. Einen konkreten Handlungsplan stellten sie damit nicht vor. Für konkrete Herstellerangaben, Mengen und finanziellen Rahmen solle erst einmal geforscht werden, so die Forderung. Ein geeignetes Fabrikat könne eine vierwöchige Testphase ausmachen, die mindestens zwei mobile und zwei alternative Geräte auf Wirksamkeit, Handhabung und Wartung prüft.
„Wir empfehlen das nicht“, machte Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) unmissverständlich klar. Die Kosten in Anschaffung, Wartung und Filterwechsel für 170 Räume seien erheblich, die Wirksamkeit für die Verwaltung mit eigenem technisch-physikalischem Know-how gar nicht seriös zu ermitteln. Das Geld solle eher in die Digitalisierung gesteckt werden, so Schmidt. „Wenn wir Ressourcen ohne Ende hätten, würden wir das auch empfehlen, aber jetzt lässt das unsere Haushaltslage nicht zu.“ Die Entscheidung liege bei der Politik, so der Verwaltungschef. Ein Nutzen in Bezug auf die Wirksamkeit sei für ihn jedoch nicht hinreichend geklärt. Zudem gebe es von Land und Bund keine Empfehlung für die Installation von Luftfilteranlagen. Fenster auf, das sei immer noch die wichtigste Maßnahme, um Aerosole zu vertreiben. Luftwäscher könnten allenfalls eine Ergänzung zum Lüften sein. Ihre Wirkung ziele wohl eher auf das Sicherheitsgefühl der Eltern, vermutete Schmidt.
Auch von den anderen Fraktionen hagelte es Kritik. Julian Fresch (CDU) sah das Thema im Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss richtig verortet. Zudem kritisierte er den viel zu eng gesteckten Zeitplan, der gar keine Ergebnisse zulasse. Petra Kärgel (Grüne) ärgerte sich darüber, dass Schüler als Versuchskaninchen missbraucht würden. „Ich verstehe nicht, was sie von dem Vier-Wochen-Experiment erwarten?“, fragte sie. Für den von FDP und WSI angeführten Lüftungsanlagen-Selbstbausatz vom Max-Planck-Institut sei die Haftungsfrage nicht geklärt. Hinzu komme die Standortfrage innerhalb des Klassenzimmers. Für eine eigene Auswertung sei das Thema viel zu komplex, so das Resüme der Grünen.
Überhaupt. „Wir als Kommune können nicht immer in die Bresche springen, wenn Bund und Land versagen“, machte Kärgel klar. Wie Fresch fordert die Grüne von FDP und WSI einen konkreten Beschlussvorschlag ein, mit Gerätevorschlag und Kostenrahmen.
Detlef Murphy (Linke) mochte dem Antrag weder in Gänze zustimmen noch ihn in Bausch und Bogen ablehnen. „Ich sehe da keinen Schaden. Wenn die Luftfilteranlagen zu laut oder wirkungslos sind, lassen wir das“, bekannte er. Sein Kompromissvorschlag: Einen Prüfauftrag an die Verwaltung, was geeignete Geräte, Kosten und eventuelle Förderprogramme angeht. „Ich halte das für gewagt, nicht alles zu tun, was möglich ist. Das ist Vogel-Strauß-Politik“, warf Murphy seinen Kollegen vor.
In Berlin und auch schon im Kreis seien die Max-Planck-Geräte im Einsatz, verteidigte Schilling ihren Vorstoß. Die Liberale und Birgit Neumann-Rystow (WSI) kritisierten die Verwaltung. Sie hätte schon längst einen Vorschlag für passende Luftfilteranlagen machen können, so ihr Vorwurf. Die Eltern der Grundschüler seien jedenfalls froh über die gesponserten Geräte, berichtete Schilling.
Hier hakte Fachdienstleiter Burkhard Springer ein. Er wusste zu berichten, dass die weiterführenden Schulen sich wenn überhaupt hochwertigere Anlagen wünschten. „Da liegen wir dann nicht mehr bei rund 900 Euro sondern schnell bei 5000 Euro“, rechnete er vor. Sowohl der gemeinsame Antrag von FDP und WSI als auch der Prüfauftrag, den Murphy als Kompromissvorschlag beantragte, wurden mehrheitlich abgelehnt.

Quelle: Wedel Schulauer Tageblatt 12.03.2021

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