Die erste digitale Sitzung des Bürgerforums „Wedel mobil“ hat stattgefunden und einige bemerkenswerte Anregungen gebracht. 

Interessant waren aber auch die Rahmenbedingungen der Sitzung. 

Die Vorgaben, die von den eingebundenen Beratungsbüros gemacht wurden, waren bereits ein erster Versuch, das Konzept in eine bestimmte Richtung zu lenken. 

Auch die fast mahnenden Worte des Bürgermeisters zu Beginn, man müsse Wedel aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur gänzlich anders denken als beispielsweise Hamburger Stadtteile wie Eimsbüttel, waren schon erstaunlich. Geht es bei dem Konzept doch um eine Verkehrsplanung, die erst in 15 bis 20 Jahren umgesetzt werden soll.

Schauen wir uns die drei wesentlichen Leitgedanken des Abends einmal an. 

• Im ersten Themenkomplex ging es um eine „Klimafreundliche Mobilität“. Ziele sind hier im Wesentlichen eine Reduzierung des individuellen Autoverkehrs, eine geänderte Flächennutzung zugunsten von Fahrrad- und Fußgängern sowie ein Ausbau des ÖPNV.

• Der zweite Themenkomplex mutet dagegen m.E. eher anachronistisch an, denn hier lautete die Überschrift „Bequemes Autofahren“, also ein möglichst gut ausgebautes Straßennetz, keine Zeitverluste für Autofahrer auf dem Weg von A nach B und Optimierung der verkehrlichen Anbindung von Wedel Nord.• Das dritte Thema hatte die Überschrift „Lebenswerte Stadt“. Hinter diesem Begriff verbergen sich eine gute Straßenqualität, kurze Wege, attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten innerhalb der Stadt wie auch autofreie Quartiere.

Das Thema „Sozialverträglichkeit“ wurde auf Rückfrage eines Teilnehmers ergänzt. Hier geht es um Barrierefreiheit, Schutz und Sicherheit für Kinder und andere im Straßenverkehr besonders gefährdete Gruppen.

In drei Gruppendiskussionen wurden viele Anregungen gegeben, zum leichten Erstaunen der Moderatoren oft deutlich zugunsten einer Verbesserung der Fahrradmobilität.

Interessant auch das Anliegen, die touristische Meile an der Elbe doch bitte vorrangig den Wedelern zu „reservieren“ und den Durchgangsverkehr von diesem Ort möglichst zu verbannen.

Da das Bürgerforum bewusst keine politische Veranstaltung sein sollte, ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, die Erkenntnisse aus der Veranstaltung politisch zu bewerten und nicht die Entscheidung über die Relevanz einzelner Punkte vorrangig bezahlten Beratungsbüros zu überlassen.

Vielleicht ergibt sich hieraus ja eine politische Diskussion über die strategische Ausrichtung unserer Stadt für die Zukunft, ein neues Leitbild, das auch durch die Ziele der Mobiltätsentwicklung neue Farbe bekommt. 

Denn es sollte doch unser Plan sein, dass Wedel in 20, 30 Jahren für alle Generationen attraktiv ist, sowohl für die Generation 60 Plus als auch für  junge Familien und einkommensstarke Work-Life-Balancer.

Wollen wir die grüne Flussoase der kurzen Wege bleiben und darüber hinaus die Stadt mit einer prämierten zukunftsorientierten Mobilität werden, die Ihresgleichen sucht? 

Gerade werden die Weichen dafür gestellt – oder vielleicht auch nicht. 

Ich hoffe, wir nutzen unsere Chance für ein klimafreundlich mobiles Wedel.

Angela Drewes, Planungspolitische Sprecherin der WSI-Fraktion

 

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